Der Yukon ist einer der unwirklichsten Winkel der Welt. Das Territorium am nordwestlichen Ende Kanadas ist größer als Deutschland, Dänemark, die Niederlande und Belgien zusammen. Fünf Mal so viele Karibus und anderthalb Mal so viele Elche wie Menschen leben hier. Im Winter fallen die Temperaturen auf minus 40 Grad, und die Sonne scheint nur zwei Stunden am Tag. Im Sommer steigen sie auf 30 Grad, und es wird nie wirklich Nacht.

Lake Louise, Alberta

Klondike Goldrausch

Nun aber genug mit Zahlen und Fakten. Was fasziniert so viele Menschen an diesem Ort? Dafür müssen wir wohl etwas weiter ausholen. Und zwar begeben wir uns gedanklich zurück in das Jahr 1896. Dort begann der große Klondike Goldrausch. Um zu verstehen wie gewaltig dieser Goldrausch war, werfen wir einen kurzen Blick auf Dawson City. Heute leben in Dawson City etwa 1300 Menschen. Auf dem Höhepunkt des Goldrausches lebten dort allerdings mehr als 40.000 Menschen! Unzählige Menschenmassen sind von überall her in den Yukon geströmt um Reichtum zu finden. Im ganzen Yukon befanden sich zwischenzeitlich mehr als 100.000 Menschen. Was mehr war als in den meisten anderen kanadischen Provinzen und Territorien zusammengenommen.

Arbeiter am Klondike, 1898

Bis heute wurden im Yukon mehr als 570 Tonnen Gold gewonnen, was fast 20 Milliarden Euro entspricht! Aber der Goldrausch im Yukon hatte auch mehr Schattenseiten. Fast 100.000 Menschen hatten sich auf den Weg zum Klondike gemacht. Zwischen 30.000 und 40.000 waren dort angekommen. Vielleicht die Hälfte von ihnen suchte dann tatsächlich nach Gold, nur etwa 4.000 wurden fündig. Zu einem auskömmlichen Wohlstand reichte es bei ein paar Hundert. Viele brachten ihren Reichtum durch, gingen pleite mit den Saloons, Hotels, Spielhöllen oder Transportfirmen, die sie gegründet hatten, starben am Suff oder verspielten ihr Vermögen. Manche wurden wahnsinnig.

Die Hoffnung auf ein besseres Leben reichte vielen um alles Aufzugeben. Sie verkauften ihre wenigen Besitztümer und träumten von einem besseren Leben. Wie sie mit den Taschen voller Gold wieder in Ihre Heimat zurückkehren würden. Verzweiflung und Hoffnung veranlassen Menschen ihre Komfortzone zu verlassen.

Goldsucher überqueren den Chilkoot Trail, 1898

Die Landschaft

Das Motto vom Yukon Territorium ist Larger Than Life. Wer im Yukon lebt, muss ein Realist sein. Wer ihn liebt, ein Idealist.

Emerald Lake, Yukon

Es gibt im ganzen Territorium nur 15 Highways und noch weniger Ampeln, die meisten davon in der Hauptstadt Whitehorse. Sieben Stunden Fahrt liegt sie von Dawson entfernt. Am Klondike Highway, der sie verbindet, gibt es keine Werbungen am Straßenrand, kein Empfang im Handy und oft nichts als Rauschen im Radio. Nur die Wildnis vor der Windschutzscheibe. Wer im Morgengrauen losfährt, taucht zwischen den Bergspitzen und Talsohlen immer wieder durch den Nebel und begegnet stundenlang keinem anderen Auto. Dafür allerdings Elchen und Kojoten, die gemächlich über die Straße schlendern. Später im Tageslicht fährt man durch breite Landstriche, wo Feuer den Wald verzehrt haben. Und manche, wo es gerade jetzt im Herbst so aussieht, als stünde der Yukon in Flammen: Tiefgoldene Tupfer ziehen sich manchmal bis zum Horizont über den Wald, wie die letzten Sommersprossen im Gesicht dieser Landschaft.

Nordlichter im Yukon

Leider ein bisschen zu spät, da der Herbst ja schon vorbei ist, aber ich denke darüber kann man hinweg sehen. Wenn dir dieser kleine Betrag gefallen hat, lass doch einen Kommentar da.

Adrian Schulz
Kategorien: Allgemein

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