Die Wutachschlucht im Südwesten Baden-Württembergs: In einem Reiseführer angepriesen als „Grand Canyon des Schwarzwalds“. Das macht natürlich neugierig, was dieses Wildflusstal tatsächlich zu bieten hat. Also beschlossen wir – meine Familie und ich – während unseres Urlaubs im Schwarzwald, die Wutachschlucht anzusteuern und (zumindest teilweise) zu durchwandern. Mit Kamera, Wanderschuhen und reichlich Verpflegung ausgestattet, haben wir uns an einem sehr sonnigen Tag im Juli dann aufgemacht, um „Deutschlands größten Canyon“ zu erkunden.

Lotenbachklamm

Zuerst fahren wir mit dem Auto zum Parkplatz an der Lotenbachklamm. Diese kleine, naturbelassene Nebenschlucht am westlichen Ende der Wutachschlucht eignet sich ideal als Startpunkt einer Wanderung, da man dort bequem in die Schlucht einsteigen kann. Der Pfad entlang des Lotenbachs verläuft am Anfang ziemlich ebenerdig und dient als gutes „Aufwärmprogramm“ für die eigentliche Wutachschlucht. Nach einigen hundert Metern tritt der Lotenbach dann ein in die Schlucht und ein sehr schmaler, abenteuerlicher Pfad führt uns hinab zum Wanderparkplatz Schattenmühle.

Eine Informationstafel gibt dort Auskunft über die Erdgeschichte der bis zu 170 Meter tiefen Wutachschlucht, welche zu den letzten Wildflusslandschaften in Mitteleuropa zählt und gleichzeitig die jüngste Schlucht der Erde ist. Die Wutach und ihr Tal sind seit 1939 Naturschutzgebiet. Es gibt eine artenreiche Flora und Fauna in diesem Gebiet. Von 2.500 Pflanzenarten, die in Europa vorkommen, sind dort 1.200 vertreten. Außerdem sind dort Hunderte von Schmetterlings- und Vogelarten beheimatet.

Wegweiser

Die Wanderstrecke führt uns nun über die Brücke der Wutach und vorbei am Gasthaus Schattenmühle, wo man sehr gut einkehren kann und sich für die weitere Wanderung stärken und erfrischen kann. Ab dort ist der Wanderweg sehr gut ausgeschildert. Da es der einzige Weg ist, auf dem man die Schlucht zu Fuß durchqueren kann, ist er viel besucht. An anderen Wanderern, die uns auf der Strecke begegnen, müssen wir uns oft vorbeischlängeln, da die Pfade teilweise schmal an den Felswänden entlanglaufen. Schaut man nach unten ins Tal, sieht man ein Gewirr aus Granitbrocken und umgestürzten, alten Baumstämmen. Doch gerade das macht den Wanderweg so abenteuerlich: Steile Aufstiege, die mit wunderschönen Ausblicken über die Wutach und den sie umgebenden Wald belohnt werden, dann wieder bergab zum Fluss hinunter, der an vielen Stellen so gut zugänglich ist, dass man ruhig mal die Schuhe ausziehen kann und den Füßen eine Pause im kalten Wasser gönnen kann.

Schleierwasserfall

Weiter geht es über kleine Brücken und an beeindruckenden Wald- und Felsflanken entlang. Gutes Schuhwerk mit Profil ist hier unbedingt Voraussetzung, allein schon wegen der riesigen Wurzeln, die den Wanderweg durchziehen. Ab und zu kreuzen kleine Rinnsale den Pfad, die links von uns im Wald entspringen und über den Weg in die Wutach fließen. Hinter einer Kurve erwartet uns ein besonders schöner Anblick: Wasser fließt über dick mit Moos bewachsenen Tuffstein und bildet eine Art „Naturdusche“. An diesem Schleierwasserfall an der Schelmer Halde erfrischen wir uns mit dem herrlich kühlen Quellwasser, das einfach besser schmeckt als jedes Wasser aus der Flasche!

Kaisermantel

Jetzt führt unser Weg kurz hinaus aus dem Wald über eine Wiese. Links und rechts ist man von hochgewachsenen Pflanzen umgeben und die Geräuschkulisse von zirpenden Grillen und fröhlich zwitschernden Vögeln sorgt für das Sommergefühl. Hier ist man wirklich mitten in der Natur! Was die Tier- und Pflanzenvielfalt betrifft, haben Reiseführer und Infotafeln also nicht zu viel versprochen. Zig verschiedene Blumen- und Farnarten am Wegesrand und farbenfrohe Schmetterlinge, die durch das Wutachtal flattern, verschönern die unberührte Landschaft noch mehr.

Mittlerweile sind wir schon ca. 8,5 Kilometer durch die Wutachschlucht gewandert und erreichen nun den Rastplatz nahe der Schurhammerhütte. Hier verlassen wir die Schlucht und wandern südlich von ihr wieder in die entgegengesetzte Richtung. Unser Weg führt uns erst ein paar Kilometer durch den Wald, dann durch weite Felder mit tollem Panorama-Blick über Wiesen, Wald und kleine Orte mittendrin. Am späten Nachmittag erreichen wir den ehemaligen Kurort Bad Boll, wo unsere Wanderung nach insgesamt etwa 13 Kilometern endet.

Insgesamt hat uns die Wanderung sehr gut gefallen. Unter „Grand Canyon des Schwarzwalds“ stellt man sich wahrscheinlich etwas anderes vor, aber die Wutachschlucht beeindruckt auf ihre ganz eigene Weise. Da alles so naturbelassen ist, ist der Weg stellenweise anstrengend zu wandern, doch dafür sind die Ausblicke umso schöner und man ist die ganze Zeit von atemberaubender Natur umgeben. Auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn man im Schwarzwald unterwegs ist!

Weitere Fotos auf meiner Fotowebsite.


1 Kommentar

Adrian · 2018-08-18 um 2:13

Sehr toller Bericht!

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