Ist es noch ein Ausflug oder schon eine Wanderung? Beim Besuch im Parco delle Cascate in Molina fällt die Abgrenzung schwer, denn die Wege durch den Park sind lang. Dazu geht man schon einige Höhenmeter, um alle Wasserfälle und Höhlen zu sehen. Ein Besuch in einem besonderen Park in einem sehr ruhigen und abgeschiedenen Tal in der Nähe des Gardasees.

Schon bei der Anfahrt zum Parco delle Cascate sieht man plötzlich nur noch Natur um sich herum. Vom Trubel des Gardasees sind wir über die Brennerautobahn Richtung Süden gefahren. Von Affi aus ging es zunächst durch Industriegebiete, die Attraktionen wie ein „Marmor-Outlet“ boten. Und plötzlich, kurz nach dem Kreisverkehr Richtung Molina, sind wir in einem dicht bewaldeten, sattgrünen Tal, das zur Region Lessinien gehört. Über viele Serpentinen fahren wir langsam immer höher, bis wir nach einiger Zeit auf dem Parkplatz in Molina ankommen.

Aber wo ist der Eingang zum Park? Er ist nicht, wie erwartet, direkt neben dem Parkplatz. Stattdessen wandern wir erst einmal quer durch das kleine, ruhige Dorf bergab in Richtung Parkeingang. Hinter dem Dorf geht es noch einige Serpentinen zwischen Wiesen bergab.

Molina

Links und rechts des Weges stehen Felsplatten, so groß wie Grabsteine, als Begrenzung. Vorher ist uns schon aufgefallen, dass diese Felsplatten hier im Tal auch zum Dachdecken genutzt werden. Eine italienische Schulklasse kommt uns, schwer keuchend, entgegen, denn sie befinden sich auf dem steilen und sonnigen Aufstieg zum Abschluss ihres Wandertages.

Fertig für den Marsch

Dann stehen wir vor dem kleinen Eingangshäuschen, dass auch als Bar und Andenkenverkauf dient. Der Eintritt ist fair und wir gönnen uns erst einmal ein Eis.

Grüne Oase

Im weitläufigen, über 80.000 Quadratmeter großen Park wurden drei Rundwege angelegt. Der kurze, leichte Weg dauert nur eine halbe Stunde, aber viele der Attraktionen würde man verpassen. Der rote Weg ist schon als mittel markiert und soll eine Stunde dauern. Am schwarzen Weg steht „schwierig“, zwei Stunden soll er dauern. Am Ende werden wir über dreieinhalb Stunden im Parco delle Cascate verbracht haben. So viel gibt es zu sehen, zu Bestaunen und viel zu fotografieren.

Nach einem kurzen Weg bergab kommen wir zu einer Höhle, die mit auf lange Stangen gespannten Lederlappen schattig gehalten wird. Es riecht nach dem Lagerfeuer, an dem bis vor kurzem eine Schülergruppe gesessen hat. In solchen Höhlen hat man in dieser Gegend Hinweise auf steinzeitliche Bewohner gefunden. Eine der Höhlen sieht man am gegenüberliegenden Berg, wie uns eine Lehrerin erklärt. Die Höhle wird aber, um die Funde zu schützen, nur selten für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Höhle hier im Park ist immer zugänglich.

idyllischer Bachlauf

Nun gehen wir aber wieder bergab, einen schönen Waldweg entlang. Viele große und kleinere Infotafeln über Flora und Fauna sowie geologische Besonderheiten stehen entlang dieses Weges. Wir haben versucht, aus den italienischen Namen der Bäume die deutschen Namen zu erraten. Das ist gar nicht leicht!

der Kurze beim Abstieg

Und dann kommen wir zum ersten Mal zum Wasser, dass uns nun auf dem gesamten weiteren Weg begleitet. Kleine Bäche, Wasserstufen, kleine und große Wasserfälle wechseln sich ab. Der Weg führt mal am Wasser entlang, durch einen Bach oder über Brücken.

über eine kleine Brücke

Einige der schönsten Stellen, wie eine riesige Gletschermühle mit einem Wasserfall, sind über kurze Stichwege vom Rundweg aus zu erreichen. Diese Gletschermühle ist wie ein riesiger Kessel geformt, mit einem schmalen Wasserfall als Zufluss und einem breiteren Abfluss. Auf Fotos kann man es gar nicht richtig zeigen, Ihr müsst es Euch vor Ort ansehen, sehr beeindruckend!

Wasserfall

Dann führt der Weg wieder bergauf, zu den nächsten Wasserfällen in allen möglichen Größen. An einer Stelle ist eine kleine Seilbahn über den Bach gebaut. Ähnlich wie die, die man von Spielplätzen kennt, aber mit Sessel wie aus einem alten Sessellift. Ein großer Spaß für alle Kinder!

Neben dem vielen Wasser findet man im Parco delle Cascate einige kleinere Höhlen. In manche kann man ein paar Meter hineingehen. Da bietet es sich an, eine Taschenlampe oder Stirnlampe mitzunehmen.

Eine lange Eisentreppe führt am Fels entlang direkt zu einem der großem Wasserfälle, den man dann fast direkt an der Abbruchkante auf einem Gitterweg überquert.

Wenn man sich für den schwarzen Weg entscheidet, wandert man noch eine große Zusatzschleife. Hier wird der Parkbesuch doch eher zur Wanderung. Ganz schön steil wird es, teilweise recht sonnig und warm. Dafür kommt man an einen schönen Aussichtspunkt, über den man das ganze bewaldete Tal in Richtung Verona sehen kann.

herrrliche Aussicht

Ein weiterer Stichweg führt zur „Grotte der dunklen Brüste“, die wirklich sehr merkwürdig aussieht. Hier ist auch der einzige Punkt der Wanderung, an dem man hinter einem Wasserfall stehen kann, ohne nass zu werden.

Gegen Ende des Rundwegs wartet noch ein weiterer großer Wasserfall. Auch dieser hat wieder eine Besonderheit. Eine Schaukel, mit einem Sessel, wie im Sessellift, der an scheinbar unendlich langen Seilen befestigt ist. Über das Wasser fliegt man auf den Wasserfall zu, nah an den Felsen entlang, viele Meter weit. Auch dieses Schauspiel kann man sich später von oben ansehen.

Dann ist der große Rundweg auch zu Ende. Direkt am Kassengebäude und ein paar Meter weiter im Wald befinden sich große Picknickbereiche mit Tischen und Bänken. Auf über den Park verteilt gibt es noch ein paar dieser Picknickplätze.

Zum Ende der Wanderung durch den Wasserfallpark bietet es sich an, noch einmal eine Picknickpause an den Bänken unter den Bäumen zu machen. Und zum Schluss wartet noch der sehr sonnige, steile Weg, der bergauf nach Molina führt. Dieser Weg konnte sich in den letzten Stunden richtig gut aufheizen.

Brotzeit

Der Parco delle Cascate ist ein sehr schöner, ruhiger und weitgehend naturbelassener Park, der aber nie langweilig wird. Voller Attraktionen, die die Natur hier geschaffen hat. Die Wege sind gut in die natürliche Landschaft eingebettet. Nur an wenigen Stellen sind Eisenbrücken oder -treppen notwendig geworden.

Neben dem Wasserfall-Park gibt es in Molina noch einige Wassermühlen mit Werkstätten, ein botanisches Museum und eine Alm zur Käseherstellung. Der Ort Molina selbst ist ein ruhiges und untouristisches italienisches Bergdorf, ein völliger Gegensatz zu den Orten am Gardasee.

Dauer und Schwierigkeit:
Die drei verschiedenen Wege durch den Park sind mit Längen von 30 Minuten bis zwei Stunden angegeben. Mit Pausen waren wir etwa dreieinhalb Stunden im Park. Dazu sollte man etwa je 20 Minuten für den Hin- und Rückweg zwischen Parkplatz und Park einplanen.
Die Wege im Park sind sehr gut zu gehen, aber es sind naturnahe Wege und Pfade, für Kinderwagen ist der Park also nicht geeignet. Die Höhenunterschiede sind für Wanderer kein Problem, für einen „Park“ sind sie schon recht sportlich. An einigen Stellen geht es über Steine und in die Bäche. An den oberen Bereichen der Wasserfälle sollte man auf kleinere Kinder achten, sonst gibt es höchstens Ausrutschgefahr, wenn man durch die Bachbetten watet. Handtücher und Wechselwäsche für Kinder mitzunehmen, ist sicher eine gute Idee.

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