Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür und bedeutet für viele Wanderer das Hobby ruhen zu lassen. Doch immer mehr Wanderer gehen auch im Winter auf Tour und schrecken nicht vor dem Zelten im Winter zurück. Um im Winter in einem Zelt zu übernachten braucht es in erster Linie Überwindung und einen warmen Schlafsack. Ansonsten unterscheidet sich das Zelten im Winter kaum vom Zelten im Sommer. Da aber trotzdem jedes Jahr die gleichen Fragen auftauchen habe ich hier mal eine Liste mit wichtigen Tipps zum Zelten im Winter zusammengefasst.

 

1. Die Wahl des Zeltes

Das Zelt oder Tarp stellt im Sommer, sowie im Winter ein der wichtigsten Barrieren gegen die Widrigkeiten der Natur. Trotzdem gibt es im Winter ein paar Unterschiede die zu beachten sind. So kann es im Winter schon mal passieren, dass der Regen in Form von Schnee vom Himmel fällt und somit auch nicht sonderlich gut abläuft. Das Resultat sind Zeltwände, auf denen eine hohe Schneelast liegt, die zum einen den Innenraum das Zeltes oder Tarps beeinflusst, zum anderen aber sogar bis zu einem Einsturz der Behausung führen kann. Man sollte also auf jeden Fall darauf achten, dass die Behausung einiges an Schnee ab kann. In der Praxis haben sich geräumige Pyramid-Shelter mit steilen Wänden bewährt, da der Schnee auf den steilen Wänden weniger Halt finden und auch weniger Druck durch die Schwerkraft auswirkt.

Pyramidenzelte haben sich als Ideal für den Winter erwiesen!

2. Die richtigen Zelt-Anker

Im Winter ist es auch schwieriger das Zelt im Boden zu verankern. Entweder der Boden ist steinhart gefroren oder es liegt pulvriger Schnee, in dem kein Hering halt findet. Man braucht also entweder stabile Zeltnägel oder Schneeanker mit großer Fläche. Im Zweifel muss man einfach versuchen die Anker mit Steinen zu beschweren, sodass an jedem wichtigen Punkt ein Steinhaufen das Zelt auf Spannung hält. Wenn man genügend Schnee zur Verfügung hat, kann ein Wall aus Schnee auch einen Großteil des Windes abfangen.

3. Isomatte gegen die Kälte von unten

Die Wahl der richtigen Isomatte ist im Winter essentiell. Dann der beste Schlafsack hilft euch gar nichts, wenn die Kälte von unten in den Körper kriecht. Denn genau dort wo ihr liegt, wird die Isolationsschicht des Schlafsacks platt gedrückt und ist nahezu nutzlos. Deshalb braucht ihr unbedingt eine gut isolierende Matte.

In den letzten Jahre sind viele Luftmatratzen mit hohen Isolationswerten auf den Markt gekommen, die allesamt ein hervorragendes Verhältnis von Gewicht zu Isolation haben. Trotzdem rate ich dringend von diesen Matten ab. Besonders dann, wenn sie als einzige Isolationsschicht von unten genutzt werden. Denn wenn die Matte Luft verliert, kann man sich ganz schnell in einer lebensbedrohlichen Lage befinden.

Ich benutze seit geraumer Zeit ausschließlich Evazote-Isomatten. Diese haben den Vorteil der Unkaputtparkeit und ein relativ gutes Verhältnis von Isolation zu Gewicht. Lediglich das Packmaß kann im Winter zu einem Problem werden, weshalb ich die Isomatte dann häufig außen am Rucksack trage.

Kleiner Tipp: Wer eine Bodenplane verwendet, sollte die Isomatte auf jeden Fall unter die Plane legen. Das verhindert das verrutschen auf Schnee und Eis. Außerdem macht es so keinen Unterschied, ob die Matte außen Am Rucksack feucht oder dreckig wird.

Die Bodenplane gehört über die Isomatte. So verrutscht man auch nicht in der Nacht.

4. Der Schlafsack oder Quilt

Ob man im Winter einen Schlafsack oder Quilt verwendet ist Geschmackssache. Entscheidet man sich für einen Quilt, sollte man lediglich darauf achten den Kopf mit einer warmen Mütze oder einem Hoody zu schützen. Also Isolationsmaterial kommt bei mir aus Gewichts- und Packmaßgründen nur Daune zum Einsatz. Ich achte außerdem immer darauf, dass genügend Reserven vorhanden sind. Das heißt, dass der Quilt in seiner Komforttemperatur die zu erwartende Temperatur gerade so aushält. Alles was ggf. kälter wird federn wir mit unserer Kleidung ab. Doch dazu später mehr!

5. Ein Bivy bei Bedarf

Wer möchte kann als zusätzlichen Schutz noch einen leichten, atmungsaktiven Biwaksack verwenden, der zusätzlich Schutz gewährt. Ich habe diesen im Winter jedoch noch nie gebraucht.

 

6. Warme Kleidung auch im Schlafsack

„Wer seine Kleidung im Schlafsack anbehält friert schneller!“ Diese Binsenweisheit hält sich leider sehr hartnäckig und wird auch immer wieder in allen möglichen Ratgebern rauf und runter gebetet. Doch anscheinend hat niemand der diesen Spruch in einer seiner Abwandlungen weiter gibt, es jemals selbst getestet. Ich kann nur jedem dazu Raten seine Kleidung in das Schlafsetup mit einzubeziehen. Das spart nicht nur wertvolles Gewicht und Platz im Rucksack, sondern macht es wesentlich einfach, wenn man nachts oder am nächsten Morgen wieder aus dem Schlafsack kriechen muss.

7. Vapour Barrier Liner oder kurz: VBL

Der VBL (deutsch: Schweißbarriere) klingt ekelhafter als er eigentlich ist. Hierbei handelt es sich um eine dampfdichte Schicht zwischen Körper und Isolation, die verhindern soll, dass der Schweiß in der Isolationsschicht gefriert und diese damit verklumpt und somit nutzlos macht. Diese gibt es entweder in Form eines Schlafsack-Inleys oder als kompletten Kleidungssatz (Shirt, Hose, Socken). Wer seine Bekleidung ins Schlafsystem einbaut, sollte hier auf Letzteres bauen.

Ich verwende die VBL-Kleidung in der Regel als zweite Schicht. Die erste Schicht besteht aus einem Merinowolle-Baselayer. Dieser sorgt für ein angenehmes Gefühl auf der Haut und wärmt auch noch in feuchtem Zustand. Außerdem stinkt es dank der Merinowolle nicht so sehr.

Wenn man nur für ein Wochenende oder wenige Tage in die winterliche Natur verschwindet, kann man auch mal auf den VBL verzichten. Bei Touren im zeistelligen Minusbereich, die über eine Woche dauern, will ich jedoch nicht auf dieses wichtige Kleidungsstück verzichten.

8. Notdurft vor dem Schlaf verrichten

Wer seine Blase leert, bevor er in den Schlafsack klettert, spart sich nicht nur den ungemütlichen Freigang in einer kalten und ungemütlich Nacht, sondern spart auch noch wichtige Energie. Der Körper hat alle Hände voll zu tun unsere Körpertemperatur zu halten. Wenn wir jetzt auch noch den Inhalt unserer Blase warm halten müssen, verschwendet dies unnötige Energie, die ggf. den Unterschied zwischen einem erholsamen Schlaf oder einer unruhigen Nacht ausmachen kann.

9. Genug essen und Trinken

Wenn wir schon beim Energiehaushalt sind, dann will ich gleich noch darauf hinweisen, dass es sehr wichtig ist, dass man ausreichend isst und trinkt. Im Winter verbraucht der Körper allein dadurch mehr Energie, dass er versuch die Betriebstemperatur zu halten. Es macht also keinen Sinn bei einer längeren Tour an der Nahrung zu sparen. Man sollte immer genug essen und ein Hungergefühl auf keinen Fall ignorieren.

Ausreichend gute und gehaltvolle Nahrung darf neben der warmen Mütze nicht fehlen!

10. Nicht verausgaben

Außerdem sollte man sich vor dem Schlaf nicht unnötig verausgaben. Steckt euch keine zu hohen Ziele. Wer sich selbst hohe Distanzen zumuten will, sollte immer darauf achten nicht zu erschöpft in den Schlafsack zu steigen. Denn wenn der Körper sich zu sehr regenerieren muss, friert man meiner Erfahrung nach in der Nacht schneller und regeneriert schlechter. Plant die Touren so, dass ihr entweder abkürzen bzw. aussteigen könnt oder einfach von Anfang an auf kleinere Distanzen setzt. Dann fällt euch das Zelten auf jeden Fall leichter!

Es gibt sicherlich noch haufenweise Tipps, die euch den Spaß am Zelten im Winter nicht verderben. Ich hoffe euch mit meiner Auswahl ein wenig weitergeholfen zu haben. Wenn euch noch etwas einfällt, dann hinterlasst es doch einfach in den Kommentaren, damit es den anderen Lesern weiterhelfen kann!

Quelle: outdoor-blog.com

Photo: rentierin

Kategorien: Allgemein

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