Während ich so auf dem Brocken saß, die Gedanken schweifen ließ und meine Banane mit dem Hundemädchen teilte, passierte mir doch tatsächlich ein großes Missgeschick. Alle Fotografen müssen jetzt ganz stark sein und am besten diesen Absatz überspringen. Meine Kamera lag so unglücklich, dass ich beim Aufstehen an einem Stein hängen blieb und mir einen großen Kratzer auf der Linse des Objektives zuzog. Glücklicherweise nicht direkt in der Mitte, sondern etwas am Rand, sodass die Fotos, die ich danach machte noch einigermaßen gut wurden. Es war so ärgerlich und tat schon fast ein bisschen weh. Aber genug gejammert, ich wollte mir diesen schönen Tag nicht verderben lassen und es war ja nur ein materieller Wert.
Beim Abstieg vom Brocken ging dann ein weiterer Kindheitstraum in Erfüllung. Mir kam die berühmte Harzer Schmalspurbahn, die Brockenbahn entgegen. Es waren so wunderbare Bilder, die sich mir boten: die schneebedeckte Landschaft, der Dampf aus dieser wunderschönen rot-schwarzen Lokomotive, die Sonne und die grünen Bäume. Ich blieb einfach nur stehen und bestaunte wie ein kleines Kind diese Sehenswürdigkeit. Langsam sollte ich mich dann aber doch auf den Rückweg begeben, wir hatten noch einige Kilometer vor uns.
Am nächsten Morgen wachte ich mit müden Beinen und grauem Wetter auf. Ich genoss wieder einmal das herrliche Frühstück und plante meinen Tag. Ich hatte noch einige Dinge, die ich gerne sehen wollte, einige Orte, die ich gerne besuchen wollte. Zuerst führte es mich zur Rappbodetalsperre. Ich hatte im Vorherein so viele tolle Bilder der Talsperre und der Landschaft gesehen; außerdem interessierte mich die neu entstehende Hängebrücke, die die längste der Welt sein sollte. Ich machte einen Spaziergang entlang des Stausees, um die Talsperre aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Aber am spannendsten war es doch, die Straße entlang zu gehen, links und rechts von sich die unendlichen Wassermassen und die tief abfallende Mauer.
Im Anschluss fuhr ich dann durch das Bodetal, um zur Roßtrappe zu gelangen – einem sagenumwobenen Felsen oberhalb des Bodetals. Auch hier war ich als Kind mit meinen Großeltern und konnte mich noch genau an alles erinnern. Ich fand es von Anbeginn der Reise spannend, Orte wieder zu sehen, an denen ich als Kind schon einmal war, um zu schauen, an was ich mich erinnere, was sich verändert hat und wie die Wahrnehmung als junger Erwachsener ist.
Zum Abschluss dieses wunderbaren Tages fuhr ich nach Quedlinburg. Hier erging es mir ähnlich wie bei der Rappbodetalsperre: Ich hatte so viele tolle Bilder dieser Stadt gesehen und diese Stadt gehörte für mich zum absoluten Pflichtprogramm. Ich war von der ersten Minute an total verliebt in diese unfassbar schöne, alte Stadt, die Teil des UNESCO Weltkulturerbes ist. Quedlinburg überzeugt durch so viele schöne kleine Fachwerkhäuser, verwinkelte kleine Gassen und viele süße, individuelle Cafés und Restaurants. Ich schlenderte durch die Innenstadt, genoss ein leckeres Stück Käsekuchen und einen Cappuccino, schaute mir die Leute und die Geschäfte an und sog einfach nur den Flair dieser Stadt auf, ließ mich treiben. Jedem, der in der Nähe ist, empfehle ich einen Abstecher nach Quedlinburg zu machen und sich diese Stadt anzuschauen.
Am nächsten Morgen gab es ein letztes Mal das wunderbare Frühstück im Bed & Breakfast, bevor ich mich dann langsam auf den Heimweg machte. Aber nicht auf dem direkten Wege – ich machte einen kleinen Umweg über Wernigerode, um mir auch diese schöne Stadt nochmal anzuschauen. Dort angekommen kam zwischen dem ganzen Regen endlich mal kurz die Sonne heraus und ich hatte vom Lustgarten einen fantastischen Blick auf das Schloss und die Stadt. Auch Wernigerode begeisterte mich, jedoch nicht ganz so doll, wie es Quedlinburg tat. Und so machte ich mich auf den Heimweg Richtung Norden – im Gepäck unfassbar viele neue Eindrücke, eine neue Lieblingsstadt, ein kaputtes Kameraobjektiv, ein müdes Hundemädchen, ganz viele Fotos und den Vorsatz, auf jeden Fall wiederzukommen in den wunderbaren Harz.










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4 Kommentare

Wonderwall · 2017-11-29 um 23:48

Sehr schöne Bilder & wundervoll formulierte Eindrücke!

Adrian Schulz · 2017-11-27 um 12:38

Hat mir auch wieder sehr gut gefallen. Die Bilder sind sogar noch besser als beim ersten Teil!

Daniel Bulla · 2017-11-22 um 22:42

Ja, da kann ich mich dem Uli nur anschließen; bei der BR 99 kommt Freude auf! 😀

Uli · 2017-11-22 um 22:23

Wow, sehr schöne Bilder hast du geschossen. Besonders von der Eisenbahn, da hüpft das Herz von Eisenbahn Fans 😉

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