In meinen beiden vorherigen Reiseberichten (Teil 1 und Teil 2) erzählte ich euch bereits von unserer Alpenüberquerung, die in Oberstdorf begann und offiziell in Vernagt endete. Wie erwähnt, nehmen viele Reisende ab hier den Bus und fahren in 1,5 Stunden zum Meraner Bahnhof. Doch dies ist für uns keine Option. Auch wir nahmen einen Bus, aber nur 25 Minuten bis nach Katharinaberg. Ab dort soll es für uns zu Fuß weitergehen, in nur einer Etappe über den Meraner Höhenweg bis nach Meran. Beim Frühstück traut uns dies niemand zu – viel zu weit sei der Weg.

Durch den Pessimismus der anderen motiviert, geht es also früh morgens los. Direkt neben unserer urigen Unterkunft steigen wir in den insgesamt 100 Kilometer langen Wanderweg um die Texelgruppe ein. Auch heute noch wird der Meraner Höhenweg Ein Freundschaftsbund von Hof zu Hof genannt, da er früher dazu diente, die Bergbauernhöfe miteinander zu verbinden. Das merkt man heute noch, wenn man mitten durch die Stallungen und Höfe hindurch wandert.

Von Katharinaberg (1245 m.ü.NN) laufen wir immer dem Weg folgend vorbei an grünen Wiesen und merken deutlich, dass dies nicht mehr Teil der Alpenüberquerung ist. Lediglich die 1000 Stufen-Schlucht erinnert nochmals an die letzten Tage. In die Schlucht führt der Höhenweg über Stufen, die uns auch wieder hinauf auf die andere Talseite bringen. Wer genau zählt, wird merken, dass es nicht ganz 1000 Treppenstufen sind, sondern nur 987. Ohne weitere nennenswerte Steigungen erreichen wir Giggelberg (1566 m.ü.NN), dem im Reiseführer vorgeschlagenen Etappenziel.

Für uns geht es ohne Pause direkt weiter, denn nun kann man unser persönliches Endziel bereits sehen. Meran liegt genau vor uns. Nachdem wir hinab ins Tal abgestiegen sind, kommt uns der Weg über den Partschinser und Meraner Waalweg fast wie ein Spaziergang vor. Begleitet vom Waal gehen wir entlang der Apfelplantagen und genießen das Gefühl unserem Ziel immer näher zu kommen. Doch die Strecke zieht sich – es ist tatsächlich ein weiter Weg von Katharinaberg bis nach Meran. Als wir die bekannte Hängebrücke kurz vor Meran jedoch überqueren, ist uns allen klar: Wir werden zu Fuß bis an unser Ziel Dorf Tirol gehen. Dorf Tirol liegt oberhalb von Meran, dort ist unsere Ferienwohnung. Nach knapp 30km erreichen wir das Ortsschild und lassen es uns nicht nehmen, ein letztes Foto zu machen. An der Unterkunft angekommen sprudeln die Gefühle über: Glück, Freude, Stolz und Dankbarkeit, dass wir alle diese Reise gesund und mit viel Spaß gemeistert haben. Nun gilt es nur noch: Schuhe aus und Füße hochlegen. Insgesamt sind wir auf unserer Reise in 6,5 Tagen 14.082 Höhenmeter gegangen, haben in Flüssen gebadet und im Schnee gefroren. Waren ganz unten im Tal und ganz oben am Gipfel – eine Reise die keine Wünsche offenlässt.

Abschließend möchte ich noch meine persönlichen Gedanken mit euch teilen: Die Alpenüberquerung war ein Traum und so wie wir sie gemacht haben für uns genau richtig. Es ist jedoch im Kopf zu behalten, dass der Weg immer bekannter und beliebter wird. Dies führt unweigerlich dazu, dass immer mehr Wanderer auf dem Weg sind und die Unterkünfte immer touristischer werden. In der Hochsaison kommen zudem die Bergschulen hinzu. Für manche bieten diese eine tolle Möglichkeit den Fernwanderweg E5 zu gehen, für andere werden Sie als lästig angesehen. Ich kann nur sagen, dass der Weg keine einfache Wanderung ist. Wer fit ist und vor anstrengenden Etappen sowie Höhenmetern nicht zurückschreckt, ist hier bestens aufgehoben. Wer jedoch nicht schwindelfrei ist oder für wen Wandern eher etwas Gemütliches ist, sollte sich vielleicht für einen anderen Weg entscheiden. Insgesamt haben wir mit allen Unterkünften Glück gehabt und nur nette Leute angetroffen. Egal ob etwas schicker im Tal oder auf der Berghütte – wir waren immer bestens versorgt. Durch eine gute Wegbeschilderung in Kombination mit unserem Reiseführer haben wir zudem auch immer den Weg gefunden und somit eine rundum gelungene Reise hinter uns gebracht.

Ich bin froh, diese Erfahrung hier mit euch teilen zu dürfen. Solltet ihr Fragen haben oder sollten diese Berichte euer Interesse geweckt haben, schreibt mir gerne an 19kathrin90@web.de oder folgt mir bei Instagram (19kathrin90), dort sind auch noch weitere Bilder von der Reise. Ich freue mich über euer Feedback.


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