Wer meinen Reisebericht Teil 1 bereits gelesen hat (Teil 1) weiß, an welcher Stelle wir uns bei der Alpenüberquerung befinden: Auf 2758 Höhenmetern in der Braunschweiger Hütte. Nach einem gemütlichen Abend und einer guten Nacht im Bettenlager, wache ich voller Spannung auf. Der erste Schritt geht zum Fenster und ja, es hat geschneit und nicht zu wenig. Alles sieht wunderschön weiß aus, von Sommertemperaturen keine Spur. Bleibt die Frage, ob wir den E5 wie geplant weitergehen können. Unsere Zimmergenossen entscheiden sich bereits beim Frühstück für eine andere Route als am Vorabend ausgetüftelt – zu viel Schnee, der Spalten in den Felsen verdeckt und eine Gletschertour unmöglich macht.

Auch wir überlegen bereits, wie wir weiter vorgehen sollen. Wandern oder Warten? Da weißt uns der Hüttenwirt freundlicherweise darauf hin, dass der einzige Bergführer gerade losgegangen sei. Wer die Hütte heute verlassen wolle, der müsse jetzt los, sonst sei die Spur bereits in 15 Minuten wieder zugeschneit. So kommt es, dass gefühlt alle Gäste aufspringen, ihre Sachen zusammenpacken und loswandern. Auch wir schließen uns der riesigen Gruppe an und folgen der Schlange, immer dem Bergführer hinterher. Ohne diesen hätten wir den Weg niemals finden können. Nur er wusste,  wo es genau langgeht, wo schwierige Stellen sind und wo Sicherungen angebracht sind. Laut Reiseführer handelt es sich hierbei um eine der schwierigsten Etappen des Weges. Über das Pitztaler Jöchl (2996 m.ü.NN) geht es zum Restaurant Rettenbachgletscher. Hier trennen sich der klassische E5, der weiter nach Zwieselstein mit dem Endziel Verona geht, und die von uns gewählte Alternative nach Meran. Am Restaurant werden wir darauf hingewiesen, dass der übliche Bus, der uns durch den höchstgelegenen Autotunnel Europas zum Parkplatz am Tiefenbachferner bringen soll, aufgrund der Wetterbedingungen nicht fährt. Alle werden heute von einem speziell angeforderten Sonderbus nach Vent (1896 m.ü.NN) gebracht, unser Ziel für den heutigen Tag. Ein weiterer Abschnitt, der uns schwierige 238 Höhenmeter hinauf und 203 Höhenmeter hinab brachte.

Am Sonntagmorgen geht es dann von Vent aus weiter. Der Schnee liegt zwar noch, aber es ist bereits besseres Wetter vorhergesagt. Wir folgen der Beschilderung Richtung Martin-Busch-Hütte (2501 m.ü.NN) über den stetig ansteigenden Forstweg. Dort angekommen, geht es direkt weiter Richtung Similaunhütte, der höchsten Stelle unserer Alpenüberquerung. An einer Gabelung entscheiden wir uns rechts über eine Seitenmoräne des Niederjochferners zur Ötzi-Fundstelle zu gehen und den direkten Weg zur Hütte links liegen zu lassen. Die Aussage, dass dies nur empfehlenswert sei, wenn der Weg schneefrei ist, ignorieren wir und werden dies später zu spüren bekommen. Da heute vor uns noch niemand diesen Weg gegangen ist, fehlen Spuren und vor lauter Schnee ist die Wegmarkierung nur schwer zu erkennen. Außerdem gilt es besonders vorsichtig zu sein, da nicht erkennbar ist, wo Spalten und Löcher im Weg sind. Nach einiger Zeit entscheiden wir uns daher, doch die Similaunhütte anzusteuern. Die weitere Suche nach der Fundstelle würde uns heute zu viel Zeit kosten. An der Hütte (3019 m.ü.NN) angekommen, kann man bereits das Etappenziel sehen: Den Vernagt-Stausee (1711 m.ü.NN). Nach einer Pause mit frischem Apfelstrudel und Kaffee machen wir uns an das letzte Stück. Der felsige Abstieg entlang der steilen Flanke ist oft ausgesetzt und zieht sich, scheint der See doch so nah, benötigen wir fast 2,5 Stunden bis nach Vernagt. Die Etappe Oberstdorf-Meran, wie sie von Bergschulen angeboten wird, endet an dieser Stelle. Ein Bus bringt die Alpenüberquerer in etwa 1,5 Stunden zum Meraner Bahnhof. Ein solches Ende kommt für uns jedoch nicht in Frage. Wir nehmen lediglich den Bus nach Katharinaberg und wollen von dort weiter zu Fuß nach Meran gehen. Nach 1123 Metern Aufstieg und 1308 Metern Abstieg lassen wir uns das Abendessen in einem urigen Bauernhof schmecken. Das Gefühl die offizielle Etappe Oberstdorf-Meran nun beendet zu haben, macht mich stolz aber auch traurig. Daher freue ich mich, dass es für uns noch weitergeht.

Der Meraner Höhenweg soll uns dann morgen zu unserem persönlichen Ziel bringen: Dorf Tirol. Dass uns dies in der Unterkunft niemand zutraut, da dies ein zu langer Weg sei, motiviert uns nur noch mehr. Im nächsten Bericht erzähle ich dann von der letzten Etappe, meinen persönlichen Gedanken zur Alpenüberquerung und lüfte natürlich das Geheimnis, ob wir Dorf Tirol zu Fuß erreichen, oder doch wie von allen vermutet den Bus nehmen müssen.

Bei Fragen oder Anmerkungen könnt ihr mir gerne bei Instagram (19kathrin90) oder unter 19kathrin90@web.de schreiben. Ich freue mich, liebe Grüße Kathrin ?


2 Kommentare

Uli · 2017-10-15 um 21:21

es macht echt Spaß deine Berichte zu lesen…

Daniel Bulla · 2017-10-15 um 14:50

Wieder sehr spannend und detailreich beschrieben; schön. 🙂

Schreibe einen Kommentar