Eines der beliebtesten Ausflugsziele im deutschen Teil des Elbsandsteingebirges, der Sächsischen Schweiz, sind die Schrammsteine, ein langgezogener Gipfelzug von Sandsteinfelsen, der sich entlang des rechten Elbufers zwischen den Ortschaften Schmilka und Bad Schandau erhebt. Für erwachsene Einzelpersonen oder Wandergruppen, die gut zu Fuß sind und die nötige Ausdauer aufbringen können, ist eine Tageswanderung entlang des sogenannten Gratweges zwar ein anstrengendes, aber garantiert abwechslungsreiches und unvergessliches Erlebnis. Im August letzten Jahres bot sich mir persönlich die Gelegenheit, einen Teil des Gratweges sowie umliegende Wanderwege selbst zu erkunden. Über die Eindrücke, die ich während dieses Tagesausflugs gewonnen habe, möchte ich euch nun im Folgenden sehr gerne berichten.

Blick auf das Breite Horn.

Los ging es am Hauptbahnhof in Dresden. Hier stieg ich in die S-Bahn-Linie S1 Richtung „Schöna“ ein; Abfahrt war morgens um etwa 9.30 Uhr. Der Zug fuhr auf der Bahnstrecke Děčín – Dresden-Neustadt (Elbtalbahn) durch die südlichen Stadtteile Dresdens, durch Heidenau und Pirna, mitten durch die nordwestlichen Ausläufer der Sächsischen Schweiz, entlang des linken Elbufers vorbei an Stadt Wehlen, Rathen, Königstein und Bad Schandau, bis er schließlich nach ca. 50 Minuten an der Haltestelle „Schmilka – Hirschmühle“ ankam. Nachdem ich ausgestiegen war, lief ich von hier aus noch ein kleines Stückchen hinunter bis an die Elbe, wo bereits die Fußgängerfähre nach Schmilka wartete. Die Überfahrt dauerte gerade einmal fünf Minuten – wenn überhaupt – und schon war ich am rechten Elbufer in Schmilka angelangt, dem Ausgangspunkt meiner Wanderung.

Auf Abwegen: Hier geht’s 30 m tief runter! (Nicht für Wanderungen mit Kindern zu empfehlen!).

Schmilka ist eine kleine Ortschaft direkt an der Elbe und bildet einen Stadtteil des weiter südwestlich liegenden Kurorts Bad Schandau. Die deutsch-tschechische Grenze ist nur wenige hundert Meter vom Ortszentrum entfernt, weshalb Schmilka auch gleichzeitig den Grenzübergang darstellt. Charakteristisch für Schmilka sind die kleinen beschaulichen und gut gepflegten Fachwerkhäuser entlang der engen Gässchen. Besonders sehenswert ist hierbei die Schmilk’sche Mühle, welche 1665 erbaut wurde und somit zu den ältesten Gebäuden im Ort zählt. Nachdem die Mühle im 19. Jahrhundert stillgelegt wurde, setzte man sie im Jahre 2007 wieder in Gang, sodass der Besucher das große Mühlenrad heute wieder im Betrieb bestaunen kann. Angetrieben wird das Mühlrad vom Wasser des Ilmenbachs, dessen Quelle nur wenige Meter weiter oberhalb der Mühle entspringt. Zu erwähnen sei noch, dass in der Schmilk’schen Mühle gleichfalls eine Unterkunft sowie eine traditionelle Bäckerei betrieben werden.

Breites Horn.

Nun zurück zu meiner Wanderung: Nachdem ich durch den Ortskern Schmilkas hindurchgelaufen war und die Mühle begutachtet hatte, ging es schon bald steil bergauf. Ich verließ den Ort und gelangte über eine asphaltierte Straße – den Wurzelweg – in ein dicht bewaldetes und tief eingeschnittenes Tal. Nach einer guten Viertelstunde erreichte ich eine Weggabelung; ich befand mich übrigens nun auf einem gut befestigten Wanderweg. An der Gabelung war eine Holzhütte – die Zwieselhütte – errichtet worden, ideal also für eine kleine Verschnaufpause. Da ich jedoch ohnehin noch nicht sehr weit gekommen war, ließ ich die Zwieselhütte rechts liegen und lief entschlossenen Schrittes weiter. Der Wurzelweg ging an dieser Stelle über in den Elbleitenweg. Schon gleich um die Ecke vermutete ich den nächsten Abzweig, welcher mich nach rechts unmittelbar auf die sogenannte Heilige Stiege führen sollte.

Breites Horn.

Um die Orientierung zu behalten, hatte ich mir eine Wanderkarte von der Sächsischen Schweiz in meinen Rucksack eingepackt, sodass ich jederzeit meinen Standort überprüfen konnte. Wie sich jedoch in Kürze herausstellen sollte, würde ich mich dennoch hoffnungslos verlaufen. Und das geschah so: Über die zuvor erwähnte Heilige Stiege wollte ich direkt auf den Gratweg gelangen, von welchem ich euch eingangs erzählt habe. Am Abzweig zur Heiligen Stiege musste ich aber feststellen, dass der Weg nicht durchgängig begehbar sein würde. Denn am Wegweiser hing ein Schild mit dem Hinweis, dass die Heilige Stiege aufgrund von Bauarbeiten gesperrt wäre. Also musste ich mir einen alternativen Aufstieg zum Gratweg suchen. Auf meiner Karte war ein solcher zusätzlicher Wandersteig auch verzeichnet; er sollte sich ein wenig weiter westlich der Heiligen Stiege befinden. Allerdings war dieser Steig deklariert als „Bergpfad (sehr anspruchsvoll)“. Da ich jedoch, wie ich meinte, ausreichend festes Schuhwerk trug und es sich offensichtlich nicht um einen Kletterpfad handelte, wollte ich diese Herausforderung gerne annehmen. Darüber hinaus war dieser Aufstieg laut Wanderkarte kürzer als die Heilige Stiege, sodass außerdem anzunehmen war, dass ich mich bedeutend schneller auf dem Gratweg befinden würde. Soweit also der Plan.

Breites Horn.

Dem Elbleitenweg weiter folgend, erreichte ich nach ein paar Metern schon die Abzweigung nach rechts, über welche ich direkt zum anderen Steigpfad gelangen wollte. Wie ich später herausfand, handelte es sich bei diesem Pfad offensichtlich um die Rotkehlchenstiege; diese führt tatsächlich unmittelbar auf den Gipfelgrat der Schrammsteine. Als ich diesen Weg also endlich einschlug, sah zunächst alles sehr vielversprechend aus: Zwar wurde die Wanderung etwas beschwerlicher, da es über hölzerne Stufen immer steiler bergauf ging; doch von einem „sehr anspruchsvollen“ Bergpfad konnte bislang keine Rede sein.

An der Heiligen Stiege. Ich kam von links, hinter dem Geländer.

Irgendwann gelangte ich dann auf eine plateauähnliche Fläche unterhalb eines Sandsteinfelsens. Hier machte ich eine kurze Pause; danach folgte ich dem weiteren Verlauf des Weges. Als ich dann wenige Meter um eine Ecke entlang der Felsen gelaufen war, um einen zuvor nicht sichtbaren Teil des Bergpfades zu erblicken, staunte ich nicht schlecht: Da ging der Wanderweg doch tatsächlich durch eine Felswand hindurch. Doch das Beste war: Rechts des Weges ging es schätzungsweise 30 Meter senkrecht hinunter in die Tiefe! Von einer Absperrung keine Spur. „Das muss jetzt also der angekündigte anspruchsvolle Bergweg sein“, dachte ich so bei mir und ging voller Abenteuerlust weiter. Durchaus hatte die Wanderung auf diesem Abschnitt ihren ganz besonderen Reiz; ich denke da z. B. an eine kleine Holzbrücke, welche über eine tiefe Felsspalte gelegt war. Nichtsdestotrotz war allerhöchste Vorsicht geboten, wenn es darum ging, den nächsten Schritt auf dem bröseligen Sandstein zu wagen, welcher teilweise auch mit rutschigem Laub bedeckt war. Ob sich mein bereits angesprochenes „festes Schuhwerk“ – ein Paar Trekkingschuhe – hierzu als geeignet erwies, würde ich im Nachhinein betrachtet doch arg bezweifeln.

Blick auf die Schrammsteine von unten.

Obgleich ich ein paar wundervolle Ausblicke auf die Felsenwelt um mich herum genießen konnte, hatte ich irgendwie das dumme Gefühl, dass ich mich vielleicht doch verlaufen haben könnte. Denn schon seit einiger Zeit ging es nicht mehr weiter bergauf; sondern immerfort bewegte ich mich auf etwa derselben Höhe entlang der Felswand. Dann irgendwann vernahm ich ein unnatürliches monotones und permanent durchgängiges Geräusch; es wurde lauter, je weiter ich ging. Bald konnte ich es eindeutig zuordnen: Es musste sich um einen mobilen Benzin- oder Dieselgenerator handeln. Spätestens in diesem Moment hatte ich schon eine leise Vorahnung, die sich abermals zu bestätigen schien, als ich über ein Holzgeländer steigen musste, um schließlich wieder einen gut befestigten Wanderweg zu betreten. Bei diesem Weg handelte es sich ohne Zweifel um einen Aufstieg, weswegen ich mich nach links wandte und Stufe für Stufe weiterging. Gleichzeitig konnte ich aus dem Brummen des Generators schließen, dass ich mich dem Ort des Geschehens immer weiter annäherte. Als ich dann das nächste Wegstück um eine Ecke herum passierte, war alles klar: Das waren die Bauarbeiter, welche sich an einer metallenen Steigleiter zu schaffen machten. Hier stand ich also. Vor der Heiligen Stiege. Na toll!

Blick vom Gratweg in Richtung Osten auf den Rauschenstein.

Während ich noch wartete und überlegte, wie ich nun weiter verfahren sollte, kam einer der Bauarbeiter die Steigleiter heruntergeklettert, woraufhin auch ich ihm entgegenkam. Nachdem ich ihn begrüßt hatte, erzählte ich ihm von dem bisherigen Verlauf meiner Wanderung und meiner Befürchtung, dass ich wohl an der Heiligen Stiege angelangt war, die er mir nur bestätigen konnte. Der Mann war ein Tscheche, welcher sehr gut Deutsch sprach und hier mit seinen wohl überwiegend deutschen Kollegen an der Baustelle arbeitete. Wie er mir erzählte, sollten die Ausbesserungsarbeiten bis zum Wochenende, wenn die meisten Ausflügler zu erwarten sind, erledigt sein. Nun wusste ich also auch, dass ich die Aufhebung der Sperrung nur knapp verpasst hatte, da ich die Wanderung am Mittwoch ebenjener Woche unternahm. Wie dem auch sei: Der tschechische Bauarbeiter zeigte mir nun eine App auf seinem Smartphone, welche Kartenmaterial zum gesamten Elbsandsteingebirge enthält – also sowohl Böhmische als auch Sächsische Schweiz – und mittels GPS den aktuellen Standort ermittelt. Ausgehend von unserer aktuellen Position verwies er mich auf einen Weg, über welchen ich auf noch einen ganz anderen Aufstieg weiter Richtung Osten kommen würde – vermutlich handelte es sich hierbei um den Lehnsteig oder den Reitsteig. Nachdem wir noch ein paar Worte gewechselt hatten, bedankte ich mich bei ihm ganz herzlich für das aufschlussreiche Gespräch und verabschiedete mich.

Blick vom Gratweg auf die Zschirnsteine, dahinter der Hohe Schneeberg.

Da ich nun wieder Hoffnung geschöpft hatte, stieg ich den bereits bewältigten Teil der Heiligen Stiege wieder hinab und hielt Ausschau nach einem Abzweig in die linke Richtung; denn dorthin musste ich gelangen; so hatte es mir der Tscheche auf seinem Smartphone beschrieben. Irgendwann kam dann auch eine Gabelung und ich hielt mich links. Leider hatte ich auch diesmal ebenso wenig Glück wie auf der Etappe zuvor. Kurzum: Letzten Endes kam ich fernab meines eigentlichen Ziels irgendwo am unteren Ende des Lehnsteigs heraus. Noch ein kurzes Stück Weg und ich erreichte die Zwieselhütte; ich war also wieder genau da, wo ich vor zwei, drei Stunden schon einmal stand.

Blick vom Gratweg in Richtung Westen. Im Hintergrund gut zu erkennen: Festung Königstein und Lilienstein.

Doch ans Aufhören wollte ich natürlich nicht denken. Ich sagte mir: „Jetzt bist du extra für diesen Tag hierhergefahren, um die Schrammsteine zu sehen; also läufst du jetzt auch weiter und steigst da hoch.“ Also lief ich abermals den Elbleitenweg hinauf und durch den Wald, vorbei an der Kleinen Bastei und am Rauschenstein. Nach einer reichlichen halben Stunde erreichte ich eine Abzweigung; hier bog ich rechts ab, um über die Breite Kluft auf schnellstmöglichem Wege den Gratweg zu ersteigen. Oben angekommen, war ich natürlich ganz schön aus der Puste; deswegen legte ich eine kurze Pause ein. Danach lag der schönste Teil der gesamten Wanderung vor mir; also machte ich mich auf den Weg in Richtung Westen.

Schrammsteinaussicht: Hoher und Mittlerer Torstein.

Der Gratweg verläuft – wie der Name sagt – ganz oben entlang des Felsengrats; man wandert also quasi von Felsgipfel zu Felsgipfel. Links und rechts geht es etwa 100 Meter hinab in die Tiefe, was aber kein Problem darstellt, solange man nicht über die Absperrungen hinüberklettert und sich vom Hauptweg entfernt. Die Aussichten, die sich einem während der gesamten Wanderung bieten, sind einmalig; kein Wunder also, dass der Gratweg Teil des bekannten Malerweges ist. Schaut man nach Süden, erkennt man direkt die Hochebene von Reinhardtsdorf-Schöna mit dem Zirkelstein, der Kaiserkrone, dem Großen und dem Kleinen Zschirnstein; dahinter erhebt sich der Hohe Schneeberg (tschechisch: Děčínský Sněžník), welcher bereits auf dem Gebiet der Tschechischen Republik liegt und somit zur Böhmischen Schweiz gehört. Blickt man nach Norden, sieht man u. a. das Kirnitzschtal sowie die Affensteine und den Carolafelsen. Der absolute Höhepunkt allerdings erwartet den Besucher am westlichen Ende des Gratweges: die Schrammsteinaussicht. Hier bietet sich einem ein imposanter Ausblick auf das Schrammtor, den Hohen und Mittleren Torstein sowie den Falkenstein, welcher sich nördlich der beiden letzteren Felsen aus dem Wald erhebt. Hinter diesen gigantischen Felsformationen – also westlich davon – befindet sich auch gleich die Kurstadt Bad Schandau. Schaut man weiter Richtung Westen, erblickt man Gohrisch, Papststein, Pfaffenstein und nicht zuletzt die Festung Königstein sowie den Lilienstein.

Dampfschiff „Kurort Rathen“ auf der Elbe bei Bad Schandau.

Für mich hatte sich also alle Mühe letztendlich gelohnt, wenngleich ich mittags und am frühen Nachmittag nicht das optimalste Wetter abpasste; es war sehr trübe und bewölkt. Das sollte sich aber bei meinem Abstieg glücklicherweise ändern. Ich lief also von der Schrammsteinaussicht den Gratweg wieder ein Stück zurück, bis ich am Jägersteig ankam. Diesen kletterte ich hinab, um den Schrammsteinweg weiter unterhalb zu erreichen. Letzterem wiederum folgte ich in westlicher Richtung durch das Schrammtor hindurch bis zur nächsten Wegkreuzung, welche ich einfach überquerte, um geradeaus auf den Obrigensteig zu gelangen. Unten angekommen, begrüßte mich auch schon gleich die Sonne; zum Glück war die Wolkendecke zuvor aufgerissen. Nun war ich also am Ende des Obrigensteigs angelangt und befand mich im Zahnsgrund am östlichen Ortseingang von Bad Schandau. Ganz in der Nähe fand ich eine Quelle, den Zahnsborn. Diese speist ein Kneipp’sches Wassertretbecken, welches direkt darunter angelegt worden ist. Ich meinerseits nutzte die Gelegenheit und nahm einen Schluck von dem klaren und frischen Quellwasser, welches einen angenehm süßen Geschmack aufwies.

Blick zurück auf die Schrammsteine und den Großen Winterberg.

Noch ein paar Schritte und ich stand am Straßenrand der B172, direkt am Elbufer. Ich überquerte die Straße und lief flussabwärts, vorbei an den für den Ortsteil Postelwitz typischen Fachwerkhäusern (z. B. den sogenannten „Sieben-Brüder-Häusern“), der Schiffswerft Oberelbe und dem Historischen Personenaufzug von Bad Schandau. Nach einem letzten strapaziösen Spaziergang in der prallen Sonne entlang der Elbe kam ich dann endlich an der Fährstelle „Bad Schandau – Stadt“ an. Nachdem die Fähre abgesetzt hatte, konnte ich bei schönstem Sonnenschein noch einen Blick zurück auf die Schrammsteine werfen, während die alten Schaufelraddampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt an einem vorbeifuhren. Wieder am linken Elbufer angelangt, war es nicht mehr weit bis zum Bahnhof Bad Schandau. Es dauerte nicht lange und es kam die S-Bahn, welche mich wieder zurück nach Dresden bringen sollte. Wie ich dann so im Zug saß, machten sich die Strapazen des Tages bald bemerkbar; schließlich hatte ich geschätzt zwölf Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Alles in allem war ich aber froh, den Tag für diese Wanderung genutzt zu haben. Denn für die vielen herrlichen Aussichten auf die wunderbare Landschaft hatte es sich allemal gelohnt.

Kategorien: Wandertour

2 Kommentare

Uli · 2017-08-14 um 12:22

toller Bericht….

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