Schlafen in der Natur oder im Wald hört sich romantisch und auch abenteuerlich an.
Wie ist es aber wirklich eine Nacht im Wald zu verbringen?
Wie ist eine Nacht in der Dunkelheit mit Geräuschen, die man nicht kennt und nicht zuordnen kann?
Denn sobald man nichts mehr sieht, versuchen die Ohren, die Augen zu ersetzten.
Nun hört sich auf einmal eine Maus, wie ein Elefant an.
Was ist das für ein Gefühl, wenn der Wind die Bäume hin und her wiegt und die Äste dabei knacken, man aber den Baum dabei nicht sieht?
Oder wie ist es wilde Tiere in der Dämmerung zu begegnen?
Solche Fragen sind mir durch den Kopf gegangen.

Also musste ein Selbstversuch her.

Wir haben nun das große Glück, dass wir jemanden kennen, der im Harz ein kleines Waldgrundstück besitzt. Und dem es nichts ausmacht, dass wir dort für eine Nacht unser Lager aufschlagen.
So haben meine Frau und ich unsere Rucksäcke gepackt und sind in den Harz gefahren.
Von unserem Parkplatz aus, mussten wir noch ein paar Kilometer zurück legen.
Dabei konnten wir gleich unsere Rucksäcke mit voller Beladung austesten.
Ich war mit meinem Mardingtop und dem Tragekomfort sehr zufrieden. Bei meiner Frau sah das dann schon anders aus. Hier zeigte sich sehr schön, dass sparen am falschen Ende im Endeffekt doch wieder vergebene Liebesmühe ist und nur zu einem noch leereren Sparschwein führt.
Also Augen auf beim Ausrüstungskauf.
Für den Hinweg hatten wir uns kleinere Pfade und Feldwege herausgesucht.
Und es war auf der einen Seite eine gute Entscheidung, denn wir hatten einen herrlichen Ausblick über die Felder und den Harzerwald. Und wir hatten einen schönes Panorama über Herzberg am Harz.
Auf der anderen Seite konnten wir diese herrlichen Ausblicke nicht lange genießen, denn die Mücken und Bremsen wollten unser Bestes, unser Blut 😉
Als wir an unserm Ziel ankamen, haben wir zuerst einmal das Grundstück inspiriert. Ok es ist wirklich Wald. Wir haben uns eine gute Stelle für das Zelt gesucht und eine kleine Kochstelle eingerichtet. Nachdem das Lager nun komplett stand, haben wir uns die Gegend noch etwas genauer angesehen. Mit Einbruch der Dämmerung, haben wir uns eine kleine warme Mahlzeit zubereitet.

Ok es gab Würstchen am Stock und angebratenes Fleisch.
Während wir so da saßen und die ganzen Eindrücke verarbeiteten und uns ausmalten wie die Nacht nun werden würde, sagte meine Frau ganz beiläufig: ,,so wie das Gelände hier aussieht, so abschüssig und wild glaube ich nicht, das hier Wildschweine uns besuchen werden.”
Sie sollte aber bald erfahren, dass sie auf dem Holzweg war. Als es dann immer dunkler wurde so gegen ca 21:45 habe ich angefangen die ersten Sachen Richtung Zelt zu bringen.
Als auf einmal meine Frau meinte:”Schatz! Da kommt was auf uns zu.”Als ich noch fragte: “was kommt ?” War auch schon ein lautes grunzen zu hören. Da war es, dass erste Wildschwein an diesem Abend. Meine Frau rannte so schnell sie konnte davon. Ein zurufen “bleib einfach ruhig stehen und sei leise” brachte nix. Sie rief nur zurück: ,, ich weiß aber meine Beine bleiben einfach nicht stehen.” Das Wildschwein lief nun mit lauten grunzen gute 7-8 Meter vor uns, an unserem Lager vorbei im Schlepptau hatte sie 6-8 kleine Jungtiere. Was für eine süße aber auch komische Begegnung.
Nun brach die Dunkelheit herein. Wir haben es uns im Zelt so langsam  gemütlich gemacht. Ok, ich habe es mir gemütlich gemacht. Meine bessere Hälfte hatte fast durchgängig ihre Finger in ihren Ohren, da ihr die vielen verschiedenen Geräusche zu viel wurden. Und zählte dabei die Stunden, bis sie wieder nach Hause fahren könnte. Ich konnte ganz gut einschlafen. Zwar wachte ich öfters mal kurz auf, das lag einfach nur daran, dass man die Geräusche nicht kennt und richtig zu ordnen kann. In der Dunkelheit werden die Geräusche viel lauter war genommen.
So gegen 2:30 bin ich von einem langgezogenen, einsilbigen Schrei geweckt worden. Nein es war nicht meine Frau, sondern es war ein Fuchs. So etwas haben wir vorher noch nicht gehört. Wo ich nun schon mal wach war, wollte ich mal schauen, wie es ist ohne Licht mitten im Wald zu stehen, bei voller Dunkelheit. Es ist einfach nur ein komisches Gefühl im Bauch, ich konnte noch nicht mal meine eigene Hand vor Augen sehen. Also ging ich schnell wieder zurück ins Zelt.
Nach weiteren kleinen Unterbrechungen, war es dann irgendwann 5:00 Uhr morgens und somit auch hell genug um ohne Taschenlampe das Lager wieder abzubauen. Und meine tapfere Frau zu erlösen. Beim packen der Rucksäcke fragte sie mich, ob ich auch das Knurren neben unserm Zelt gehört habe. Nein ich habe es nicht gehört, ich habe leider auch nicht bewusst war genommen, dass sich zwei Füchse wohl in der Nacht über unser Zelt hinweg unterhielten.
Bevor wir uns aber auf dem Heimweg machten, nahmen wir uns noch die Zeit für eine Tasse Tee und einen Kaffee, dabei genossen wir einfach die frische Waldluft.
Es ist herrlich und sehr entspannend zu sehen wie der Wald so langsam erwacht. Wenn die Bienen und die Vögel langsam aufwachen und Ihr Summen und Zwitschern den Wald beschallen. Gut gestärkt haben wir die Rückreise angetreten. Mit im Gepäck waren nun neue Erfahrungen und Erkenntnisse.
Eine Nacht im Wald, ist wohl nichts für jeden.
Das Fazit meiner Süßen:
Der Wald ist schön, besonders am Tag. Schlafen im Wald kommt für sie wohl nicht mehr in Frage.
Bei mir sieht es anders aus. Ich habe den nächsten Termin schon fest im Auge und freue mich sehr darauf.

 

 

 

Was würde Fritz Meinecke sagen:
Life begins at the end of your comfort zone

    

 

 

Kategorien: Allgemein

1 Kommentar

Uli · 2017-07-30 um 21:20

schöner Beitrag und tolle Tour

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